Web 2.0 in der politischen Bildung

Vergangene Woche habe ich an der Fachtagung zur politischen Bildung “Web 2.0 in der politischen Bildung” teilgenommen.

Die Tagung fand im DGB-Bildungszentrum Hattingen statt, ein sehr angenehmer Tagungsort, mit hervorragender technischer und räumlicher Ausstattung – inklusive angemessener Übernachtungsmöglichkeit und sehr guter Verpflegung. Die Tagungsleitung und Organisatoren waren sehr engagiert und hilfsbereit.

Ziel der Tagung war “Multiplikatoren der politischen Bildung” mit Experten des Web 2.0 / Netzkultur zusammenzubringen, um Ideen auszutauschen und eventuell neue Projekte anzustossen, bei denen das Web 2.0 seinen Niederschlag in der politischen Bildung findet.

Von fachkundigen Coaches begleitet, wurden verschiedene Workshops zu Themen des Web 2.0 angeboten darunter Blogs, Twitter, Podcasts, Wikis usw. Die Teilnehmer konnten sich in einem dieser Intensivworkshops im Verlauf der Tagung Grundkenntnisse und grundlegende Anwendungskompetenz aneignen.

Diese Konzeption / Zusammenarbeit ist durchaus sinnvoll und vielleicht lange überfällig, da es einerseits offensichtlich wurde, dass die Möglichkeiten des Internets – geschweige denn die seiner 2.0 Fassung – in vielen Bereichen der (politischen) Bildung noch gar nicht richtig wahrgenommen werden.
Andererseits wurde auch offensichtlich, dass Experten der Web 2.0-Sphäre hinsichtlich der politischen Bildung z.T. auch recht unbeschriebene Blätter sein können. Kurz: Man ist nicht automatisch politisch aktiv oder aufgeklärt, wenn man Twitter benutzt.

So lag der Schwerpunkt der Tagung auf der Vermittlung von Netzkompetenz in Richtung der politischen Bildner, aber der eher beiläufige Austausch in die andere Richtung hat sicher nicht geschadet. Eine Konkretisierung in diese Richtung wäre wirklich interessant und wünschenswert gewesen.
Denn: Gerade Leute die keine grundlegende Web 2.0-Sozialisation haben (buzzword alert: digital immigrants ), können häufig im wirklich substantiellen Bereich wertvolle Beiträge bringen. Letztendlich geht es in der politischen Bildung ja um Substanz und nicht um Ambienz (buzzword alert: ambient communication!).
In der abschliessenden Fish-Bowl-Gesprächsrunde wurde dieser Aspekt erstmals konkretisiert, insofern sich eine Diskussion andeutete zwischen den Euphorikern der Netzkultur und denen, die auch ohne Elektrizität denken und schreiben können.

In den begleitenden Vorträgen kamen einige “Integrationsfiguren” dieser beiden Welten zu Wort, die sich an den diversen Schnittstellen digital world – real world / euphoria – scepticism betätigen. Dazu gehören die (erfolgreichen) Netzaktivisten, die Datenschützer oder die kritischen Wissenschaftler.

Besonders gut haben mir die Beiträge von Markus Beckedahl von netzpolitk.org sowie padeluun von FoeBud e.V. gefallen. Zwei Redner mit verschiedenen Ausgangspunkten, deren Tätigkeiten und Überlegungen aber genau in das integrative Mittelfeld führen, in dem cyberspace und meatspace / online und offline unsere heutige Realität bestimmen bzw. wo die politische Bildung ihr neues Spielfeld erschliessen muss.

Zusammengefasst war es eine gelungene Tagung mit vielen interessanten Gesprächen, Diskussionsansätzen und Denkanstössen. Die Diskussion geht weiter und ich hoffe auf ein neues Zusammentreffen, bei dem die Anschlusspunkte aufgegriffen und vertieft werden können.

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